Wirtschaft & Politik

Im Moment basiert die venezolanische Wirtschaft vorwiegend auf der Förderung leichter, mittlerer und schwerer Rohöle, dem Asphaltabbau sowie der Gasnutzung und ihrer Nebenerzeugnisse, die später in Raffinerien, kryogenen und anderen Anlagen weiterverarbeitet werden. Innerhalb der venezolanischen Wirtschaft gibt es die Tendenz, den Export von Eisenerzen, Kohle, Zement, Bauxit und petrochemischen Materialien sowie Landwirtschafts- und Fischereiprodukten zu erweitern.

Der Tourismussektor nimmt immer mehr an Bedeutung zu und ist auf dem besten Weg, zu einer wichtigen Einnahmequelle der Venezolaner zu werden. Der Schwerpunkt des Tourismus liegt zur Zeit darin, allen Venezolanern die Möglichkeit zu bieten, die natürlichen Reichtümer des Landes in ihrer Freizeit zu geniessen. Gleichzeitig sollen die im Zentrum des touristischen Interesses stehenden, insbesondere die ländlichen und abgelegenen Gebiete dabei unterstützt werden, ihre Regionalwirtschaft mittels direkter Beteiligung am Tourismus zu stärken.

Die Einbindung der Bevölkerung in wirtschaftliche Aktivitäten ermittelt sich anhand der arbeitsfähigen Bevölkerung. Der größte Prozentsatz der Bevölkerung ist im Dienstleistungssektor tätig. Die prozentuale Verteilung der arbeitsfähigen Bevölkerung gestaltet sich folgendermaßen: 27% Kommunalwirtschaft, sozialer Sektor und persönliche Dienstleistungen, 6% Transport, Lagerung und Verkehr, 6% Finanzeinrichtungen, Versicherungen, Banken, Immobilienbranche und Unternehmensdienstleistungen; in der Summe sind demnach 61% der Bevölkerung im tertiären Sektor beschäftigt. Nur 23% der Bevölkerung sind im sekundären Sektor tätig: 14% in Industriebetrieben, 1% in der Elektrizitäts-, Gas- und Wasserbranche sowie 8% im Baugewerbe. Und nur 16% der Bevölkerung arbeiten im primären Sektor: 15% in der Landwirtschaft und 1% in Kohlenwasserstoffaufbereitungsanlagen, Minen und Steinbrüchen.


Internationale Beziehungen

Die internationalen Beziehungen Venezuelas sind in den letzten Jahren verstärkt darauf ausgerichtet, die existierenden Beziehungen zu anderen Ländern Zentral- und Südamerikas, mit dem Iran, China und Russland zu intensivieren. Zwischen Russland und Venezuela gibt es zahlreiche Energie-, Wirtschafts- sowie Agrarindustrieabkommen. Darüber hinaus hat sich China zum zweitgrößten Handelspartner Venezuelas gewandelt; die bilateralen Beziehungen zwischen beiden Ländern sind in den letzten 10 Jahren um das fünzigfache angestiegen.
Die engsten Beziehungen pflegt Venezuelas mit benachbarten lateinamerikanischen Ländern, die derzeit ähnliche soziale und gesellschaftliche Entwicklungen durchlaufen bzw. durchlaufen haben. Ausgenommen davon ist Kolumbien, dass als unmittelbares Nachbarland jedoch von je her in enger Beziehung zu Venezuela steht.

Die Beziehungen zwischen Venezuela und seinem Nachbarland Kolumbien sind sowohl in diplomatischer, als auch in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht, von vielen Auf und Abs geprägt. Dennoch haben die Grenzverbindungen, die hohe Zahl kolumbianischer Einwanderer, der wachsende Anteil von in Kolumbien lebenden Venezolanern sowie der wirtschaftliche Handel dazu beigetragen, die Beziehungen zu festigen und fort zu setzen. Auch zu Ecuador unterhält Venezuela enge Beziehungen, wenngleich es in letzter Zeit auch einige diplomatische Zwischenfälle gegeben hat. Es gibt diverse Wirtschafts- und Handelsabkommen, die für beide Länder von großer Wichtigkeit sind. Im Handelsaustausch setzen beide Regierungen auf das “System des regionalen Ausgleichs” (Sucre). Eine Zukunftsvision von Sucre ist, dass die ALBA-Mitgliedsländer, zu denen unter anderem Venezuela, Ecuador, Bolivien und Kuba zählen, für den gegenseitigen Handel eine virtuelle Währung nutzen werden. ALBA ist ein politisch-strategisches Bündnis zur Bündelung der wirtschaftlichen Fähigkeiten und Stärken der Mitgliedsländer.

Zwischen Venezuela und Bolivien bestehen bilaterale Abkommen in lebenswichtigen Bereichen wie der Lebensmittelversorgung, dem Energiesektor und Bergbau. Des weiteren gibt es Projekte, die mit Hilfe venezolanischer Ressourcen in Bolivien durchgeführt werden, Integrationsverträge, Wissenschafts- und Technologieabkommen und Vereinbarungen zum Kampf gegen Drogen. All diese Abkommen, die für beide Länder gleichermaßen gerecht sein sollen, sind stark ideologisiert.

Die zahlreichsten und vielseitigsten Abkommen unterhält Venezuela jedoch mit Kuba. Es gibt bilaterale Abkommen über die Zusammenarbeit in den Bereichen Medizin, Bildung, Sport, Wissenschaft und in der Wirtschaft. Des weiteren gibt es bilaterale Projekte zur endogenen Entwicklung, Abkommen zur Kreditvergabe, dem gemeinsamen Handel und der Zusammenarbeit mit Drittländern. Seit den ersten gemeinsamen Übereinkommen im Jahr 2000 haben sich die Beziehungen zu Kuba mit den Jahren stetig gefestigt.

Das Hauptziel der venezolanischen Regierung hinsichtlich internationaler Beziehungen ist die Stärkung der nationalen Unabhängigkeit sowie die Förderung einer multipolaren Welt. Weitere Ziele sind: die Förderung der lateinamerikanischen und karibischen Einheit, die Konsolidierung und Diversifizierung der internationalen Beziehungen, die Stärkung der venezolanischen Position innerhalb der internationalen Wirtschaft sowie die Schaffung eines neuen weltweiten Sicherheitsgremiums.


Innenpolitik

Venezuela ist eine partizipative Demokratie. Die Verfassungsänderung im Jahr 1999 und die zahlreichen Veränderungen der Regierungsstruktur haben dazu geführt, dass die Regierung mehr auf die Bedürfnisse der benachteiligsten Bevölkerungsgruppen ausgerichtet ist, vorwiegend auf jene, die in Armut leben.

Präsident Venezuelas ist Hugo Chávez Frías von der PSUV-Partei (Vereinte Sozialistische Partei Venezuelas). Er wurde bereits zweimal zum Präsidenten gewählt und ist erneut Kandidat seiner Partei für die Wahlen im Jahr 2012.

Vor Hugo Chávez’ erstmaliger Wahl zum Präsidenten waren die AD (Demokratische Aktion) sowie die COPEI die etabliertesten Parteien Venezuelas. Seit dem Putsch an General Marcos Pérez Jiménez im Jahr 1958, stellten sie abwechselnd jeweils den Präsidenten. Damit begann die demokratische Ära Venezuelas. Seit 1999 übernahm jedoch die MVR und später die PSUV (beide unter Vorsitz von Hugo Chávez) das Zepter bei den Präsidentschaftswahlen. Eine neue Verfassung hat dazu geführt, dass die wichtigsten Politikorgane des Landes unter dem Dach der Nationalen Öffentlichen Gewalt (Poder Público Nacional) zusammengefasst werden, die sich wiederum in 5 Gewalten unterteilt:


Legislative: beruht auf der Nationalversammlung, deren Aufgabe die Erstellung, Diskussion und Verabschiedung der Bundesgesetze, die über die Gesetze im Hauptstadtdistrikt, der abhängigen Verwaltungsgebiete sowie der Bundesländer hinausgehen, ist. Eine Gesetzesvorlage kann auch ohne Unterschrift des Präsidenten Rechtskräftigkeit erlangen. Die Nationalversammlung ist zudem für landesweite Sanktionen zuständig.

Exekutive: liegt in den Händen des/r Präsidenten/in bzw. des/r amtierenden Vizepräsidenten/in, der Minister und Ministerinnen sowie weiteren Staatsbeamten der Republik. Der Präsident der Republik ist Staatschef und verfügt über die nationale Exekutivgewalt; seine Amtszeit beträgt 6 Jahre und er kann sofort wiedergewählt werden.

Judikative: verwaltet das Recht, das vom Volk ausgeht und im Namen der Republik gesetzlich gewährt wird. Zur Judikative gehören der Oberste Gerichtshof, die per Gesetz vorgeschriebenen Tribunale, das Öffentliche Ministerium (Ministerio Público), die Öffentliche Rechtsschutzstelle (Defensoría Pública), die strafrechtlichen Ermittlungsorgane, Rechtshelfer und Rechtsbeamte, das Strafvollzugssystem, die alternativen Rechtsmedien sowie die staatlich anerkannten Anwälte.

Die Bürgergewalt: diese Gewalt wird durch den Moralrat der Republik (Consejo Moral Republicano) ausgeübt, bestehend aus dem Ombudsmann, dem Finanzsekretär der Republik sowie dem Generalkontrolleur der Republik. Die Aufgaben des Moralrats sind: Vorgänge, die gegen die öffentliche Ethik und Amtsmoral verstoßen, vorzubeugen, zu untersuchen und zu bestrafen; die Verwaltung des Volksvermögens zu überwachen; für die Einhaltung und Anwendung des Legalitätsprinzips innerhalb der staatlichen Verwaltungsaktivitäten zu sorgen; sowie Bildung, Solidarität, Freiheit, Demokratie, soziale Verantwortung und Arbeit als Grundpfeiler der Staatsbürgerschaft zu fördern.

Wahlgewalt: ist ein unabhängiger Zweig der Bürgergewalt und wird durch den Nationalen Wahlrat (Consejo Nacional Electoral, CNE) ausgeführt. Er ist mit der Reglung der Wahlgesetze beauftragt und trifft Beschlüsse bezüglich aller mit Wahlen, Referenden und Volksentscheiden zusammenhängenden Angelegenheiten.


Venezuela - Besteigung des höchsten Berges Pico Bolívar (4981m)


Die Besteigung des Pico Bolívar ist ein Höhepunkt für Kletterer, die den UIAA-Grad III locker beherrschen oder mit einem Bergführer dieses luftige Ziel erklimmen wollen. Besonders beeindruckend finde ich den Start mitten im Dschungel bei Merida – 5 Tage später steht man ganz oben, und Venezuela liegt einem zu Füßen…

Reisebericht von Jörg Ehrlich




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